Förderprogramm „Amt Niemegk vernetzt“
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Der Fläming

 

Eigenarten und Brauchtümer

 

Trachten

 

Der berühmteste Wanderer durch die Mark Brandenburg, Theodor Fontane, streifte den Fläming allenfalls am Rand und widmete ihm auch keinen Abschnitt in seinem fünfbändigen Werk Wanderungen. Allerdings finden sich im Kapitel zu Luckenwalde Luch im Wald einige Passagen zu den Flämingern.

 

So gibt Fontane eine Beschreibung des Geschichtsschreibers des Flämings (Rektor Telle zu Jüterbog) aus den 1870er Jahren wie folgt wieder: Sie halten viel auf gute Zucht, sind kirchlich, ernst in Haltung und mäßig im Genuß. Ausschweifung und Trunkenheit sind bei ihnen seltener als anderswo. Diese Charakterisierung kommentiert Fontane mit dem Satz: So sind die „eigentlichen“ Fläminger.

 

Fläming Tracht

Laut Fontane gab es in Jüterbog noch nachweisbar Vläminger bis ins 17. Jahrhundert hinein. So berichtet die Jüterbocker Chronik: „In diesem Jahre (1693) verschied allhier der Richter »Dümchen«, auf dem Neuenmarkt und ist der einzigste und letzte gewesen, »der einen spitzigen Hut mit niedergeschlagenen Krempen« in hiesiger Gegend getragen, welche Mode beinahe 600 Jahre allhier gebräuchlich gewesen, und sah dieser Hut so aus, wie man die alten holländischen Bauern abgemalt findet.“ Fontane schließt daraus, dass von da ab die altholländische Tracht in diesen Gegenden, wenigstens in den städtischen Ortschaften [verschwand]; aber „Sprache“ und „Sitte“ überdauerten die Tracht, […].

 

Oskar Schwebel berichtet allerdings 1881, dass sich die Karnette, d. h. die steife Haube mit den taubenflügelartig abstehenden Kopftüchern, bei den Frauen noch zu seiner Zeit allgemeiner Beliebtheit erfreute. Und noch immer sei es der Stolz der Flämingerin, möglichst viele Röcke über einander zu tragen.

 

 

Sprache - Flämingisch

 

Die Sprache, die laut Fontane überdauerte, ist das Flämingplatt (Flämingisch), das deutliche niederländische Sprachreste enthält, zu den plattdeutschen Mark-Brandenburgischen Dialekten zählt und sich weit bis in das 20. Jahrhundert hinein hielt.

Fontane bemerkt in einer Fußnote: Wie sehr die Sprache des „hohen Vlämings“ von dem gewöhnlichen märkischen Platt abweicht, mag folgende vorzügliche Übersetzung aus dem Stabat mater zeigen. Es erscheint uns als ein Niederdeutsch, das zwischen „Holländisch“ und „Märkisch-Platt“ allenfalls die Mitte hält. Die erste Strophe in dieser Übersetzung des Stabat mater lautet:

 

By et Krüz met schreijende Ougen   

Stund die Mueder diep bewoagen,

Doa de osan dorchnaegelt hing.

Un in ör verzuchend Härze,

Umgedreyt van Wei und smärte,,

Een dörchborend Schlagswärt ging.

 

 

Küche und Feste

 

Als Bestandteil der Brandenburger und Sachsen-Anhalter Küche verfügt der Fläming über einige kulinarische Spezialitäten. Die bekannteste Delikatesse ist der Klemmkuchen, eine Süßspeise, die die Flamen im 12./13. Jahrhundert mitgebracht hatten. Die waffelartigen Kuchen werden noch heute bei größeren Familienfeiern und insbesondere zur Fastnacht nach traditioneller Art im reich verzierten Klemmkucheneisen auf offener Flamme gebacken. Während der ursprüngliche Teig aus Roggenmehl, Wasser, ausgelassenem Speck und Salz bestand, fallen die Zutaten heute deutlich üppiger aus. Butter und Zucker fehlen selten bei den einst platten Kuchen, die inzwischen oft zu Tüten gerollt und mit Sahne gefüllt werden.

 

Das Heimatmuseum in Dahme zeigt neben achtzig weiteren ein Klemmeisen aus dem Jahr 1571, das das älteste bekannte Exemplar sein soll. Auch den vor allem im Wittenberger Raum verbreiteten Speckkuchen führten sehr wahrscheinlich die Flamen ein.

 

Während die Sachsen-Anhalter eher deftige Speisen bevorzugen, ist Brandenburg bekannt für weitere Torten und Kuchen wie Plinsen, Eierkuchen und Windbeutel.

 

Zu den Spezialitäten zählen ferner die Forellen aus den Flämingfließen und Wild, Pilze und Kartoffeln. Der Tourismusverband bietet eine „Kulinarische Kartoffeltour“ an, auf der die beteiligten Gasthäuser Gerichte nach innovativen Rezepten rund um die Kartoffel servieren.

 

Das Aufstellen der Pfingstmaie hat eine lange Tradition und auch heute sieht man in vielen Dörfern die mit bunten Bändern geschmückte hohe Stange mit einer schlanken Birke als Krönung. Berühmt sind die Fläminger Hochzeitsrituale und Erntedankfeste. Auch alte Bräuche wie das Osterfeuer blieben erhalten.

 

Hinzu kommen örtliche Feste (Beispiele):

  • Frühlingsfest in Jüterbog
  • Sommerliches Lindenfest auf dem Markt in Seyda
  • Belziger Altstadtsommer als mittelalterliches Ritterspektakel in der Altstadt und der Burg Eisenhardt.
  • mehrfache Burgfeste im Jahr auf der Burg Rabenstein
  • Mühlenfest in Marzahna (Treuenbrietzen)
  • Sabinchenfestspiele in Treuenbrietzen
  • Alljährliches Turmfest in Luckenwalde
  • Reformationsfest und weitere Luther-bezogene Feiern in Wittenberg
  • Skurriles Brühtrog-Rennen auf dem Niendorfer Dorfteich
  • Kultiges Bettenrennen in Fredersdorf

 

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