Förderprogramm „Amt Niemegk vernetzt“
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Lühnsdorf

Vorschaubild

Das Fläming - Dorf Lühnsdorf

 

Im Jahre 1973 wurde Lühnsdorf in die Stadt Niemegk eingemeindet und ist seitdem Stadtteil von Niemegk. Die Stadt Niemegk bildet mit weiteren 3 Gemeinden das Amt Niemegk und ist zugleich Sitz der Verwaltung des Amtes Niemegk.

Lühnsdorf wurde erstmals im Jahre 1377 im Kopialbuch B 1 des Ernestinischen Gesamt-archivs Blatt 37 r/v als „czu grossen Luderstorph“ erwähnt. Über die Jahrhunderte gab es mehrere Ortsbezeichnungen:

 

1425: die Bezeichnung czu grossen Luderstorph entfiel, weil der Nachbarort „lutken ludierstorff“ (STA Weimar Cop.B1, fol 13b) wüst wurde

1426: Ludirstorff magma

1500: Luenßdorff

1600: Luehnsdorff

dann endlich die noch heutige Bezeichnung „Lühnsdorf“.

 

Die zum Dorf Lühnsdorf gehörige Gesamtfläche beträgt 460 Hektar, davon sind:

211  ha Acker

  98  ha Wiese

109  ha Wald

    8  ha Wasserfläche

  12  ha Wege

  22  ha Bebauung und sonstige Flächen.

                                                                         Lühnsdorf1

 

Geografie: Der Ort Lühnsdorf ist ein typisches Straßen-Anger-Dorf. Er liegt von sanften Hügeln im Norden, (der Krähenberg 88m), im Osten (der Ocker Berg 86m), im Süden vom Sandberg und dem Werderwald) und im Westen (der Hottenberg 87m) eingebettet, nur die Ortseinfahrt von Buchholz verläuft recht eben. Während die Kreisstraße  K 6930 von Nie-megk nach Kranepuhl den Ort quasi tangiert, führt die K 6932 von Lühnsdorf nach Buchholz verlaufend, durch den Großteil der Ortslage und bildet gleichzeitig den Straßenanger. Der Lühnsdorfer Bach, der unterhalb des Klinkeberges (105,4m) entspringt, vereinigt sich in den Lühndorfer Gartenwiesen mit dem aus Buchholz kommenden Bach und fließt in die Plane bei der Komturmühle in Dahnsdorf.

Die Plane, die im Rabener Umland entspringt, durchfließt die Werdermühle und hat diese seit der Ersterwähnung nachhaltig geprägt.

Die Werdermühle, die bereits im Jahre 1379 als „Monchetych, gelegin an dem Werder czu Nymig“ erwähnt wurde, gehört seit der Gründung der Kirchengemeinde zum Ort Lühnsdorf.

 

Fischwirtschaft: Am Planefluss entstanden nicht nur wassergetriebene Mühlen (Mahl-,Schneide-und Ölmühlen), sondern wie hier in der Werdermühle eine Forellenzucht, die im Jahre 1838 im nun preußischen Land Fischereigerechtigkeit erhielt und aufgrund der ausgezeichneten Qualität ihrer Forellen seit dem Jahre 1864  zum Königlich  Preußischen Hoflieferant avancierte. In der DDR wurden hier durch den VEB Binnenfischerei Potsdam, Betrieb Werdermühle moderne Teich- sowie Rinnenanlagen zur Aufzucht und Mast von Forellen errichtet und ein export- und devisenintensiver volkseigener Betrieb entwickelt.

Nach der Wende lädt die Geschäftsleitung neben den Direkt-und Handelsvermarktungen der hier gezogenen Forellen Gäste in die Werdermühle an die Angelteiche zum Selbstangeln ein.

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Landwirtschaft: Im Ort Lühnsdorf selbst war die Landwirtschaft prägend. Mit der Zusam-menlegung der beiden Orts- LPG des Typs I zu einer des Typs III im Jahre 1973 vollzog sich in der weiteren Entwicklung der Zusammenschluss mit der LPG Kranepuhl und letztendlich zur Groß-LPG Dahnsdorf (KAP Dahnsdorf). In Lühnsorf wurden die bislang kleinen uneffek-tiven Stallanlagen in den einzelnen Gehöften aufgelöst und alles Vieh in Kranepuhl konzen-triert. Lühnsdorf wurde somit zum Wohn- und Schlafort.

Nach der Wende wurden die Acker- und Wiesenflächen zum größten Teil an die  Produk-tivgenossenschaft  „Flämingrind e.G.“ in Kranepuhl verpachtet oder auch verkauft. Der Diplom-Agraringenieur Lutz Niemczik wurde im Jahre 1991 Wiedereinrichter, schloss den Betrieb jedoch im Jahre 2000 wieder.

 

Handwerk:„Der Kossät Gottlieb Muschert zu Lühnsdorf hat von den Kossäten Andreas Brüning daselbst auf dem Wege der Dismembration und durch den Rezeß vom 28.04.1825 eine Worth zu Lühnsdorf, der Pfarrwohnung gegenüber, für 100 Taler Courant erworben und darauf laut Attest des Königlichen „Bau- und Polizeiraths“ zu Belzig vom 24.07.1827 ein Haus und eine Schmiede erbaut“. Unter dem 08.02.1828 hat der Muschert dieses Grundstück an den Schmiedemeister August Moritz für 200 Taler Courant verkauft.

Seine Nachkommen, der Schmied Johann August Moritz hat das Grundstück vom Vater ex decreto im Jahre 1854 übernommen. Dessen Sohn Johann Gottfried Moritz führte per Eintra-gung vom 22.06.1888 im Grundbuch die Schmiede und eine kleine Landwirtschaft weiter. Mit dem 22.02.1923 wird der Schmiedemeister und Landwirt Otto Moritz der Inhaber der Schmiede zu Lühnsdorf. Aus Altersgründen und fehlendem qualifizierten Nachwuchs wurde die Schmiede bereits im Jahre 1962 LPG-Werkstatt. Der Elektromeister Ing. Fritz Moritz eröffnete im Juni 1990 einen Elektro-Installationsbetrieb. Aus gesundheitlichen Gründen wurde dieser Handwerks- Betrieb im Jahre 2004 geschlossen.

 

Gastronomie: Ein nachgewiesenes Schankrecht gab es in Lühnsdorf bereits im Jahre 1862, das dem Schankwirt Lutze und später dem Gastwirt Thiele erteilt wurde. Diese Gastwirtschaft wurde durch den eingeheirateten Gustav Bergholz, von seinem Sohn Hans übernommen und weitergeführt, bis sie im Jahre 1972 geschlossen wurde.

Das gesamte zur Schmiede gehörige Grundstück wurde vom Berliner Architekten-Ehepaar Kaufmann/Goetz im Jahre 1991 erworben, vom Verfall gerettet und erfolgreich ausgebaut. Es hat sich hier ein gastronomisches Ensemble mit dem Namen „Landhaus Alte Schmiede“ von internationalem Ruf etabliert.

Besonders jedoch ist dieses wunderschöne Anwesen mit ebenso erlesenem Speisenangebot des Chefkochs Krause zum sprichwörtlichen Hochzeitsparadies avanciert.

 

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                  Nicht nur Kinder erfreuen sich der Spiele auf dem Dorfplatz,

sondern auch die „frischgebackenen“ Eheleute

 

Handel: Die im Jahre 1961 eröffnete Konsum - Verkaufsstelle wurde nach der Wende von Erika Moritz privat bis zum Jahre 1997 weitergeführt, dann geschlossen.

 

Bevölkerung:

1388:  2 Höfe

1530:  7 Höfe

1591:  10 Höfe

1640:  1 Hof, andere alle wüst

1817:  115  Einwohner

1890:  173  Einwohner

1925:  160  Einwohner

1946:  245  Einwohner

1994:  115  Einwohner

2012:  111  Einwohner

 

Sehenswürdigkeiten:

Im Mittelpunkt des Ortes befindet sich die vom Friedhof umgebene Kirche. Sie wurde am 18.September 1898 festlich geweiht. Die Vorgängerkirche, ein aus dem 15.Jahrhundert typischer Feldsteinbau, war von so schlechtem Zustand, dass sie abgerissen werden musste.

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Kirche bis 1897

               

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Die Innenansicht der Vorgängerkirche

 

Die neue Kirche ist ein neuromanischer Backsteinbau mit einem rechteckigen Kirchenschiff, mit einer innen gewölbten Apsis an der Ostseite und einem an der Westseite befindlichen rund 21m hohen Turm.

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        Die neue Kirche seit 1898

 

Die der Kirchengemeinde erhalten gebliebene Glocke aus Bronze ist im Jahre 1616  in der Magdeburger Glockengießerei  Borstelmann  gegossen worden. Der schöne Taufstein aus Alabaster ist eine Spendengabe des ehemaligen Müllermeisters Kuhl-mey aus dem Jahre 1835. Das  Madonnenbild,  ebenfalls von der Müllerfamilie Kuhlmey, aber  im Jahre 1861 gespendet, wurde 1897 restauratorisch überarbeitet und befindet sich noch heute in einer sehr guten Qualität.

Eine vom Orgelbaumeister Friedrich Wilhelm Lobbes aus Niemegk in der Westseite des Schiffes eingebaute Orgel erhielt im Jahre 2012 ein neues Luftaggregat. Der Klang dieser Orgel wurde nach dem Entfernen der großen Pfeifen im 1. Weltkrieg vom Orgelbaumeister Schuke nach dem Vorbild älterer Meister der Barockzeit wieder hergestellt.

 

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Die wunderschöne Innenraum-Ausmalung ist eine Komposition aus neuromanischer Orna-mental - Malerei und unverkennbaren Jugendstileinflüssen. Sie ist in ihrer Originalgestaltung noch heute in gutem Zustand erhalten. Abweichungen gibt es leider in der leichtfertig über-tünchten ehemaligen blaufarbenen Ornament-Malerei des Altars.

Die einen Behang imitierende Ornamentmalerei  an der Apsis musste bereits im Jahre1906 ausgebessert werden, befindet sich aber dankenswerter Weise noch heute in gutem Zustand. Das besondere Interieur dieser Kirche veranlasst immer mehr junge Paare, sich auch hier das kirchliche Ja-Wort zu geben.

 

Das Gesamt-Ensemble - Kirche-Friedhofmauer-Kriegerdenkmal - wurde durch die Dorfgemeinschaft in Eigenleistung im Jahre 2006 gründlich instandgesetzt. Das Kriegerdenkmal erhielt eine um die Opfer des 2. Weltkrieges erweiterte Gedenktafel und eine ansprechende Gestaltung seines Umfeldes, fertig gestellt im Jahre 2008. Die dazu erforderlichen finanziellen Mittel wurden ebenso wie die umfangreichen notwendigen Arbeiten von den Einwohnern Lühnsdorf aufgebracht, bzw. erbracht.

 

Kriegerdenkmal Lühnsdorf

 

 

Das nahe dem Verfall stehende „Nachtwächterhäuschen“ wurde im Jahre 2006 ebenfalls in Eigenleistung der Einwohner von Lühnsdorf völlig überarbeitet und als Kleinod des Ortes hergerichtet.

                 

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Das sanierte Nachtwächterhäuschen

 

Der Dorfplatz, nicht nur für die Kinder des Ortes, sondern auch für die der Gäste im Landhaus „Alte Schmiede“ hergerichtet, ist nicht nur beliebter Spielplatz, sondern auch Übungsplatz für die Feuerwehr. Jährlich werden hier am Pfingstsonnabend der traditionelle Pfingstbaum auf-gestellt und am 1. Juli-Wochenende das bei Groß und Klein beliebte Dorffest gefeiert.

 

Traditionen:

Freiwillige Feuerwehr, im Jahre 1936 gegründet

Jährliches Osterfeuer am Ostersonnabend

Jährliches Aufstellen des Pfingstbaumes am Pfingstsonnabend auf dem Dorfplatz

Dorffest mit vielen Attraktivitäten am ersten Juli-Wochenende

Feuerwehrveranstaltungen

Fischerfest in der Forellenzucht Werdermühle

Aufstellen der Weihnachtstanne am Straßenanger

Traditioneller Adventsmarkt am 3. Adventswochenende

 

Weitere und umfangreiche Informationen über das Dorf Lühnsdorf und über die Werdermühle finden sich in dem bereits erschienenen ersten Band der Ortschronik und in weiteren zu erwartenden Bänden, unter dem Titel „Lühnsdorf, ein Ort schreibt Geschichte“ von Bärbel Kraemer und Fritz Moritz.